Darf ich vorstellen: Das ist der Wicked Camper, der für 2,5 Monate unser Zuhause in Australien war. Ich werde nie das Gefühl vergessen, als wir unseren „Invader Zim“ in Cairns abgeholt haben. Ich war geschockt! Darin sollten wir wohnen? Für Monate?

Wicked Camper sind bunt bemalte Camper für sparsame Reisende. Vor allem auf den Straßen Neuseelands und Australiens sind die Camper weit verbreitet und allgegenwärtig (schau Dich mal auf www.wickedcampers.com selbst um).

Sie fallen sofort durch die grellen Motive auf den Seiten und den Spruch auf der Rückseite auf. Manche Sprüche sind so derb, dass Wicked Camper in Australien für großes mediales Aufsehen sorgen.

Zu den teils ruppigen Bemalungen kommen ungewöhnliche Werbeaktionen. So konnten die Mieter den Camper für ein paar Tage kostenlos bekommen, wenn sie nackt zur Abholung erschienen. Solche Gags gefallen nicht allen. Und vor allem Eltern sind besorgt.

Ich habe zusammen mit meiner Frau in Australien und Neuseeland in Wicked Campern gelebt.

2,5 Monate und 13.906 Kilometer in Australien
(Toyota HiAce „Invader Zim“ mit über 450.ooo Kilometern)

6 Wochen und 7.317 Kilometer in Neuseeland
(Toyota Van „Mötley Crue“)

Auch wenn die ersten Tage im Wicked ein unbekanntes Lebensgefühl mit sich brachten, waren wir beide sehr traurig als wir die Wagen zurückgeben mussten.

Du möchtest in Australien oder Neuseeland einen Wicked Camper mieten und bist noch unsicher? Hier meine Meinung dazu:

Ein Wicked Camper ist …

absolut low Budget und spartanisch ausgestattet.

Wenn Du einen vollausgestatteten Camper mit allem Schnickschnack erwartest, bist Du falsch. So günstig die Camper sind, so sparsam ausgestattet sind sie auch. Du bekommst einen fahrbaren Untersatz und drei einzelne Matratzen aus denen Du dein Bett baust.

Im Kofferraum findest Du die Küche: Eine „Arbeitplatte“ mit Waschbecken und fließend Wasser (das Du aus einem 10 Liter-Container pumpst). Außerdem Stauraum für das Plastikgeschirr und Besteck – und oben drauf zwei Klappstühle, einen Tisch und eine Kühlbox.

Mehr braucht man nicht zum glücklich sein!

 verbeult und niemanden stört das.

Im Vergleich zu den auf Hochglanz polierten Deluxe-Campern verlieren die Wickeds in der B-Note. Aber genau das ist es, was sie so praktisch macht. Du übernimmst ein Auto mit Macken und Beulen. Aber das interessiert niemanden.

Vor allem wenn Du lange unterwegs bist, kann es passieren, dass ein Steinchen auf der Scheibe einschlägt. Manchmal kratzen auch nur überhangende Äste am Lack. Andere Vermieter verdienen damit ein paar Euro dazu, denn sie verlangen die Kosten für die Reparatur bei der Rückgabe.

Bei Wicked wird geschaut, ob das Geschirr noch da ist. Das war´s!

Kunst auf Rädern.

Jeder Camper ist ein Unikat. Comic-Charaktere, Musiker, Celebrities, Politiker  – alles wird auf die Wickeds gesprüht.

Garantie für Grinsen auf dem Campingplatz

Gerade diese individuelle Bemalung sorgt dafür, dass Du schnell auffällst. Auf Campingplätzen wird man schnell zum Mittelpunkt und so entwickeln sich interessante Gespräche.

deine kostengünstige Alternative zum Autokauf.

Viele kaufen sich für 3 Monate ein Auto down-under und verkaufen es vor der Weiterreise. Aber ich habe so oft davon gehört. dass viele Reisende Wochen an einem Ort verbracht haben, um das Auto loszuwerden. Wertvolle Zeit, die man anders sinnvoller nutzen kann.

Wir haben die Kosten verglichen. Ein Wicked kostet dich zwar einiges an Miete, aber dafür kannst Du bei Pannen den Service in Anspruch nehmen. An der Küste ist es bei einer Panne recht einfach Hilfe zu bekommen. Sollte aber im Outback dein Auto streiken, kann es passieren, dass Ersatzteile und Mechaniker eingeflogen werden müssen. Zu horrenden Preisen. Bei fehlender Versicherung kann das schnell sehr teuer werden.

Rechne es Dir selbst durch. Aber wenn Du bis zu zwei Monate einen Camper brauchst, überlege auch einen Wicked Camper zu mieten.

 

Ein Wicked Camper ist …

NICHT zuverlässig.

Wicked Camper sind alte Fahrzeuge. Manchmal richtige Rumpelkisten. Du solltest Dir bewusst sein, dass Dein Auto schon ein paar (hundert-)tausend Kilometer auf dem Tacho hat. Dementsprechend hoch ist das Pannenrisiko.

NICHT Luxus.

Definitiv nicht. Wenn Du Luxus suchst, solltest Du schnell die Idee verwerfen, Wicked zu fahren. Du lebst spartanisch und nur mit dem Notwendigsten. Aber dafür zahlst Du auch nicht viel. Du hast keine Toilette, keine Dusche. Dafür lernst Du viele nette Leute und bestimmt auch ein paar durchgeknallte Wicked-Fahrer kennen.

NICHT auf allen Campingplätzen willkommen.

Die Camper haben teilweise richtig deftige Sprüche auf der Rückseite. Die gehen manchmal so dermaßen tief unter die Gürtellinie, dass man auf Campingplätzen Probleme bekommen kann. Es ist uns öfter passiert, dass wir gefragt wurden, welchen Camper wir fahren. Dank der Antwort „Wicked Camper“ wurde der Camper ein paar Mal vorab inspiziert und für OK befunden. Aber einmal wurden wir auch direkt abgewiesen – ohne dass der Camper überhaupt gecheckt wurde.

NICHT für jeden geeignet.

Ein Wicked Camper ist nichts für Dich,

  • wenn Du einen straffen Zeitplan hast und jede Panne dich um Kopf und Kragen bringen kann
  • wenn Du nicht gerne auffällst.
  • wenn Du bequem schlafen willst (Die Matratzen sind extrem dünn).

Ich bekomme kein Geld für diesen Artikel. Weil ich aber selbst so lange in einem Wicked gelebt habe, möchte ich meine Eindrücke und Empfehlungen weitergeben. Warst Du auch in einem Wicked unterwegs und hast lustige, brenzlige oder unangenehme Situationen erlebt? Dann erzähl mir davon in den Kommentaren.

Um Dir noch einen kleinen Eindruck vom Leben im Wicked Camper zu geben, habe ich Dir ein paar Bilder unserer bewegten Zeit im Camper gesammelt.

Wicked Camper in Australien:

 

Wicked Camper in Neuseeland:

Author pixelschmitt

Schön, dass Du hier bist. Mein Name ist pixelschmitt. Ich komme aus dem schönen Erlangen und habe inzwischen 40 Länder auf fünf Kontinenten besucht (Tendenz steigend). Begleite mich auf meinen Reisen und bekomme einen Einblick in "The life of a pixelschmitt" :D

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Join the discussion 11 Kommentare

  • Heike sagt:

    Ah, interessant! Den Background zu den ‚Schüsseln‘ kannte ich noch nicht. Für mich wäre das nix aber super, dass es günstige Angebote gibt. Leider sagst du zum Preis nix. Was habt ihr denn dafür bezahlt?
    Liebe Grüße

    • Hallo Heike,

      danke für deine Nachfrage. Ich habe in unserer Kostenaufstellung nachgeschaut: Wir haben damals genau 63,32 AUD/Tag für den Camper bezahlt.

      Dazu muss ich aber auch gestehen, dass das 2008 war. Damals ächzte die komplette Weltwirtschaft unter der schweren Krise und wir hatten geniale Wechselkurse. Für 1€ gab´s durchschnittlich 2 AUD. Also hat uns der Camper etwas mehr als 30 €/Tag gekostet. Das Benzin war auf einen Allzeittief und der Liter lag teilweise bei 0,99 AUD!

      Im Anschluß an Australien ging´s dann nach Neuseeland. Dort das gleiche Spiel: Top-Wechselkurse. Als Frequent Wicked Camper gab´s sogar noch Rabatt auf die zweite Buchung.

      Und auch wenn´s absolut low-budget und die Angestellten teilweise absolut unfreundlich waren: Das war mit die beste Zeit auf Reisen, die ich je hatte!

      Viele Grüße
      Thomas

  • […] Jahr 2008 habe ich unseren Wicked Camper in 3 Tagen etwa 2.500 Kilometer von Townsville an der Ostküste Australiens bis zu der kleinen […]

  • Kev sagt:

    Cooler artikel, nur ich finde low budget ist es nicht. Da ihr so lange unterwegs ward, hätte wäre es selbst günstiger gewesen was gleichwertiges zu kaufen und am ende zu verschrnken.
    Und so spartanisch sind die auf den Bildern gar nicht. Wir hatten einen für 5 Tage der war nochmal 10 Jahre älter.

    also Tipp an alle: ab ca 4wochen lohnt es sich einen zu kaufen, Zeit dazu muss man natürlich einplanen….

    Cheers kev

    • Kev, danke für Deinen Kommentar.
      Du hast Recht. Es ist bestimmt günstiger, ein Auto zu kaufen und dann zu verkaufen.
      Allerdings hatten wir damals absolut keine Lust viel Zeit für Kauf und Verkauf zu verschenken.
      Ein Vorteil des gemieteten Campers ist auch definitiv, dass das Auto bei einer Panne im Rahmen der Versicherung kostenlos repariert wird. Auf unserem Trip ins Outback mussten wir sogar in Alice Springs an der Station vorbeifahren und das Auto checken lassen. Kostenlos.

      Zu den Kosten auch noch ein kleiner Hinweis: Als wir Ende 2008 in Australien waren, tobte gerade die weltweite Wirtschaftskrise. Der Wechselkurs lag teilweise bei 2,10 AUD für 1 € und der Benzinpreis war mit 99 australischen Cent/Liter auf einem historischen Tiefstand. Von daher war es nicht so teuer, wie es heute wahrscheinlich wäre.

      Würde ich den Trip heute nochmal machen, würde ich mir für den langen Zeitraum vielleicht auch nochmal die Option „Autokauf“ genauer anschauen.

      Viele Grüße
      Thomas

  • Petra sagt:

    Hallo Thomas,
    ich war auch mit so einem kleinen Camper in Australien insgesamt 4 Monate (2×2) unterwegs. Ich hatte die Wicked schon viel gesehen als ich von Darwin nach Melbourne mit dem Motorrad gefahren bin. Manche finde ich super – andere sind in meiner Welt beleidigend. Und da ich mir das Auto nicht speziell aussuchen konnte und vor allem, weil mein Hippie Deluxe noch günster war, bin ich zum Hippie Fan geworden.
    Das geniale: die Deluxe Version kostete mich ca. 60 Euro mehr, als die Basic Version in 2 Monaten. Die Autos sind dann aber nicht älter als 2 Jahre und super. Hippies haben übrigens auch einen kleinen Kühlschrank (super für Bier und Essen) und Waschbecken (nicht wirklich nötig) usw. – super optimiert finde ich! Ansonsten dieselbe Größe wie die Wicked.
    Ich habe 2012 und 2014 ca. dasselbe gezahlt und zwar ca. 30 – 35 AUD$ pro Tag!! Das finde ich sensationell. Ich habe allerdings keine Zusatzversicherung um den Selbstbehalt von 2500 $ abgeschlossen, denn dann hätte das Fahrzeug ca. 25 – 30 $ mehr gekostet.
    Das ist übrigens auch mein Tipp: ich habe ausgerechnet, dass ich bei einem Schaden höchsten 1000 $ mehr zahlen müsste, als wenn ich die Versicherung abschließe. Falls nichts ist und beides mal war nichts – spare ich aber ca. 1600 $

    Für das Geld lohnt es sich nicht ein Auto zu kaufen, weil ich nicht die Zeit aufbringen wollte, für die Papiere und weil niemand weiss, für wie viel das Auto dann unter Zeitdruck verkauft werden kann.

    Und ihr hattet ja eins schönes Modell bekommen :) Cooler Artikel!

    Liebe Grüße
    Petra

    • Hallo Petra,

      danke für Deinen Kommentar. Genau so haben wir das auch gesehen und uns den Luxus der Langzeitmiete gegönnt. Wir hatten absolut keine Lust, uns den Stress mit dem Weiterverkauf am Ende anzutun und so wertvolle Zeit zu verschenken.

      Unser Vorteil damals war auch, dass wir Ende 2008 unterwegs waren, als die Wirtschaftskrise für wunderbare Wechselkurse und niedrige Benzinpreise gesorgt hat. So war der Camper wirklich erschwinglich.

      Die Hippie Camper haben wir damals auch gesehen, aber wir waren eher Wicked-Typen. Wobei manche wirklich deftige Sprüche drauf hatten, die ich nicht durchs Land fahren möchte.

      Viele Grüße
      Thomas

  • Jolly sagt:

    Hey Thomas,

    wir überlegen zur Zeit auch, ob wir eine Reise mit einem Camper von Wicked machen – allerdings in Kanada… Hast du da auch irgendwelche Erfahrungen dazu? Vielleicht etwas gehört von anderen, wenn du noch nicht selbst dort warst?
    Und dann habe ich noch eine Frage… du hast ja geschrieben, dass die Camper sehr alt sind und man sich auf Pannen einstellen muss. Hattet ihr damals bei euren Trips Pannen? Kann man dann die Typen von Wicked anrufen und sie kümmern sich darum oder wie genau läuft das?

    Vielen Dank übrigens für diesen Blog! Der war schon einmal sehr hilfreich :-)!

    • Hi Jolly,

      danke für Deinen Kommentar. Zu Wicked in Kanada kann ich Dir leider überhaupt nix sagen. Sorry.

      Wir hatten damals in Australien ein Problem an der Servo-Lenkung. Mit viel Kraft sind wir dann in die nächste Wickekd-Werkstatt gefahren und weil wir vorher angerufen haben, konnte das schnell behoben werden.
      In Neuseeland hatten wir zweimal unverschuldet einen Platten. Da kam dann jedes Mal jemand, hat das Auto gecheckt und die Reifen gewechselt.

      Es hat also alle immer geklappt. Aber soweit ich mich erinnere, mussten wir die Roadside Assistance auch extra dazu buchen.

      Viel Spaß in Kanada
      Thomas

  • Evelyn Schuster sagt:

    Hallo Thomas, danke für die vielen Inspirationen. Ich werde 2018 in meinem Sabbatjahr Richtung Asien reisen, bin mir nicht nicht ganz sicher, ob ich mir Australien leisten kann. Die Wicked Camper habe ich schon länger ins Auge gefasst. Was würdest du denn sagen, wieviel Geld man zum Leben pro Tag benötigt? Für die Wintermonate von Okt.-März habe ich schon so viele Ideen in Asien (Südsee, Papua, Lombok, Komodo, Flores, Bali, Philippinen, Vietnam, Kambodscha und Indien), so dass ich mich ja eh beschränken muss. Würdest du denn sagen, dass Austalien wirklich eine tolle Erfahrung für euch war?
    Liebe Grüße aus Köln….Evelyn

    • Hallo Evelyn,

      der Wicked war super. Genau das, was wir gebraucht haben.
      Wir haben während unserem Jahr auch Asien bereist. Wir haben aber für uns beschlossen, dass wir mit den teuersten Ländern anfangen.

      Zuerst Japan, dann Australien, dann Neuseeland, dann Südsee und dann ab nach Südostasien.

      Klar waren die ersten 4 Länder alle durchgehend teuer.
      Wir hatten aber den Vorteil, dass wir direkt zu Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise im September 2008 gestartet sind. So hatten wir traumhafte Wechselkurse.

      Ich habe Dir mal unsere Tagesausgaben pro Land rausgesucht. Die Zahlen stammen aber aus September 2008-August 2009. Das sind die Kosten pro Person beim Reisen zu zweit. Ausserdem habe ich Dir noch dazu geschrieben, wie lange wir in jedem Land waren.

      Es fehlen noch ein paar Länder. Da habe ich leider keine Zahlen.

      Japan 18 Tage 93,84 €/Tag und Person
      Neuseeland I 4,5 Tage 49,11 €
      Australien 76 T 64,70 €
      Neuseeland II 37 T 51,18 €
      Cook Islands 14,5 T 67,74 €
      Thailand I 13 T 23,94 €
      Laos 12 T 21,23 €
      Vietnam 21,5 36,08 €
      Kambodscha 13,5 T 28,26 €
      Thailand II 52 T 17,30 €
      Malaysia 5 T 25,69 €
      Indonesien 47,5 T 24,71 €

      Australien war aber auf jeden Fall jeden Cent wert. Würde ich jederzeit wieder machen.

      Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.

      Wenn Du noch Fragen hast, immer her damit 😉

      Viele Grüße
      Thomas

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