Um dem Weihnachtstrubel zu entfliehen und um uns selbst zu beschenken, hat es meine Frau und mich eine Woche vor Weihnachten für fünf Nächte nach Marrakesch in Marokko verschlagen. Ein kurzer Abstecher in eine komplett andere Welt – so stellt man sich 1001 Nacht vor.


Wir beide wollten das schon immer mal sehen und es gab ein gutes Angebot, so dass wir spontan gebucht haben und vier Tage später in den Flieger gestiegen sind. Ab München ging es über Madrid (echt sehenswerter Flughafen) weiter nach Marrakesch. Es war nicht zu heiß, aber genau ausreichend, um Frost und Schnee zu Hause schnell zu vergessen. T-Shirt-Wetter im Dezember. So muss das sein.

Was ich jedem Marrakesch-Touristen empfehlen kann: Lass Dich am Flughafen abholen und in Deine Unterkunft fahren

IMG_3137 (1)

Normalerweise bin ich schon auch eher der Freund von “Ich-fahr-da-jetzt-irgendwie-mit-den-Öffentlichen-hin-und-dann-finde-ich-das-Hotel schon”. Aber hier? Pustekuchen. Die Gassen der Altstadt sind so verwinkelt, dass wir froh waren, hindurch gelotst zu werden.

Aber es ist schon ein komisches Gefühl, wenn der Wagen auf einmal in einer Sackgasse hält und der Fahrer einen mit den Worten verabschiedet “This is Hassan. Hassan will guide you to your hotel!” (“Das ist Hassan. Hassan bringt Euch jetzt zu Eurem Hotel”) – und schon hat sich Hassan die Koffer geschnappt und ist direkt in das Straßengewirr eingetaucht.

Ohne unseren Begleiter hätten wir uns garantiert verlaufen, denn unsere Unterkunft war sehr gut versteckt am Ende einer äußert schmalen Gasse, in die ich sonst nie freiwillig abgebogen wäre.

Untergekommen sind wir im Le Riad Monceau – einem alten Stadthaus, die in Marokko Riads genannt werden. Es gibt natürlich auch günstigere Alternativen, aber manchmal muss man sich eben auch was gönnen. Klarer Vorteil unseres Hotel war die überaus zentrale Lage direkt am Djemaa el Fna, dem zentralen Marktplatz. Aber doch noch weit genug entfernt, um dem Trubel nicht rund um die Uhr ausgeliefert zu sein.

Das ist, was mir an der Bauweise der Riads so gefällt: Zur Straße hin gibt es nur ein Tor und das ganze Leben spielt sich rund um den kühlen und „schallisolierten“ Innenhof ab.

Kulturschock auf dem Djemaa el Fna – dem Platz der Gehenkten

Unsere erste Begegnung mit dem Djemaa el Fna oder auch “Platz der Gehenkten” war Kulturschock Deluxe. Man fühlt sich wie in einer anderen Zeit. Trommler, Geschichtenerzähler, Handleser, Schlangenbeschwörer, Freßbuden, Orangensaftverkäufer. Und alles vor dem Hintergrund der antiken Souks (Märkte), die von diesem Platz aus in einem dichten Gewirr starten. Eine absolute Erfahrung, wenn man mal komprimiert den Orient erleben will.

Djemaa-el-Fna-Marrakesch-2

Tagsüber ist der Platz das Zuhause vieler Gaukler und Alleinunterhalter, Schlangenbeschwörer und Wahrsager. Sobald es dämmert, kommen die Essenstände dazu. An einer extra ausgewiesenen Ecke des Platzes, ploppen auf einmal unzählige Stände aus dem Boden, die rund um eine zentrale Kochstelle Sitzplätze für die Gäste anbieten.

Eigentlich verkauft hier jeder Stand auf den ersten Blick das Gleiche, aber manche scheinen ihre Spezialitäten im Angebot zu haben. Nachdem wir am ersten Abend mit knurrendem Magen auf eine Touribude reingefallen sind, nahmen wir uns an den folgenden Abenden Zeit, haben das Angebot verglichen und dann dort gegessen, wo alle Einheimischen glücklich aussahen.

Ein entspannter Sundowner im Maison de la Photographie

In Marrakesch selbst gibt es natürlich auch einiges zu sehen. Die Souks, Baudenkmäler, … es gibt echt viel. Mein persönlicher Favorit ist aber das Maison de la Photographie. Einmal, weil hier ein privater Sammler in einem renovierten Riad viele viele alte Fotos ausstellt. Aber auch, weil es hier eine wunderschöne Dachterrasse mit leckerem Restaurant gibt.

Der Blick ist atemberaubend: Im Vordergrund die Dächer Marrakesch vor den verschneiten Gipfeln des Atlas-Gebirges im Hintergrund. Hier einmal den Sonnenuntergang zu genießen, sollte auf jedem Fall dick im Reiseplan stehen.

Einmal das Ticket für´s Museum gekauft, könnt Ihr damit während Eures gesamten Besuchs in Marrakesch so oft ins Museum und vor allem auf´s Dach wie Ihr wollt. Wenn er da ist, gibt Euch der Chef auch persönlich eine Führung durchs Museum und erklärt die Fotos.

Ein paar Tipps für Marrakesch:

Djemaa el Fna – der zentrale Marktplatz, der rund um die Uhr alles bietet, was das Herz begehrt.

Essen auf dem Djemaa el Fna
Einfach nach Sonnenuntergang über den Platz schlendern und aussuchen, was lecker aussieht. Mein Tipp: Einen Stand suchen, an dem die Einheimischen sitzen.

Flaschenangeln auf dem Djemaa el Fna
Sobald es dunkel wird, gibt es diese grandiose Aktion, bei der man Ringe, die an einer langen Angel hängen, über den Flaschenhals bugsieren muss. Nicht einfach, aber als Belohnung kann man eine Flasche Softdrink der eigenen Wahl gewinnen.

Maison de la Photographie
(46 Rue Ahl Fes, Rue Bin Lafnadek, Moukef – Marrakesh 40030, Morocco)
Wie schon geschrieben, ist das der ideale Ort, um den Sonnenuntergang über Marrakesch zu genießen. Muss man einmal erlebt haben!

Von den Souks aufsaugen lassen
Rund um den Djemaa el Fna findet man die Souks, wo man alles findet, was man braucht – oder auch nicht: Traditionelle Kunst, orientalische Süßigkeiten oder die obligatorische Fake-Handtaschen. Auf den ersten Blick fragt man sich, ob man jemals wieder aus den Souks herausfindet. Aber solange die Sonne scheint kann man sich grob am Stand der Sonne orientieren. Rund um den Djemaa el Fna gibt es auch mehrere Minarette, die man als idealen Wegweiser nutzen kann, sobald man mal einen freien Blick hat.

Die Färber in den Souks
Wer sehen möchte, wie schweißtreibend es ist, Stoffe einzufärben, sollte auf jeden Fall bei den Färbern vorbeischauen. Zu den einzelnen Färberhöfen kommt man in der Regel nicht einfach so, aber hilfsbereite Händler helfen gerne, wenn man danach in deren Laden vorbeischaut. Wer eine starke Nase hat, kann auch die Gerber besuchen.

Die Gerbereien sind einigermaßen leicht zu finden, weil sie sporadisch ausgeschildert sind. Trotzdem versuchen Jugendliche gerne die Touristen gegen eine kleine Gebühr dorthin zu führen. Wir haben die Höfe auch so gefunden, einen Blick von außen hinein geworfen und wegen des extremen Geruchs beschlossen, dass wir nicht unbedingt mehr davon sehen müssen.

Das Anwesen von Yves Saint Laurent – Jardin Majorelle
(Rue Yves Saint Laurent, Marrakesh, Marokko)
‘Ein gutes Stück außerhalb der Altstadt liegt zur Freude aller Taxifahrer das Anwesen von Yves Saint Laurent.  Der Jardin Majorelle wurde vom Maler Jacques Majorelle geschaffen und erst später vom Modemacher zu einer einzigartigen Oase gemacht. Pflanzen aus aller Herren Länder, wunderschöne Farben und vor allem fast paradiesische Ruhe. Die Ruhe hält so lange an, bis man den Garten verlässt, denn dann fallen die Taxifahrer wieder über die Besuchern her.

Und noch richtig viel mehr … Einfach mal selbst hinfahren und von der Atmosphäre aufsagen lassen und durch die Stadt treiben lassen. Es gibt hier soviel zu entdecken!