LinkedIn hat jetzt einen Knopf gegen KI-Müll.
Das ist kein Scherz.
Wenn dir ein Beitrag verdächtig glatt, austauschbar oder komplett KI-generiert vorkommt, kannst du ihn über die drei Punkte als „KI-Slop“ melden. In der englischen Version heißt die neue Option „Seems like AI slop“.
Der Beitrag verschwindet anschließend aus deinem Feed. Deine Rückmeldung hilft LinkedIn außerdem dabei, minderwertige Inhalte künftig besser zu erkennen.
LinkedIn überlässt den ersten Eindruck damit den Menschen, die den Content tatsächlich lesen.
Was bedeutet KI-Slop auf LinkedIn?
Als KI-Slop werden Inhalte bezeichnet, die offensichtlich mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden und kaum eine eigene Idee, Erfahrung oder Haltung erkennen lassen.
Du kennst diese Beiträge:
- eine dramatische Allerweltshook
- künstlich kurze Absätze
- viele Behauptungen und wenig Substanz
- Formulierungen, die in 47 anderen Beiträgen genauso stehen
- eine Erkenntnis, die verdächtig nach Motivationskalender klingt
KI-Slop kann sprachlich sauber und fachlich korrekt sein. Er kann trotzdem komplett egal bleiben.
Das Problem liegt im Ergebnis. Ein Beitrag wirkt austauschbar, wenn die persönliche Perspektive fehlt. Niemand erkennt, warum genau diese Person oder dieses Unternehmen etwas zu dem Thema zu sagen hat.
Warum LinkedIn gegen KI-Slop vorgeht
Der Anteil KI-generierter Inhalte auf LinkedIn ist inzwischen beachtlich.
Der KI-Erkennungsdienst Pangram hat mehr als eine Million Inhalte von LinkedIn, Medium, Substack, X und Reddit untersucht. Rund 41 Prozent der längeren LinkedIn-Beiträge wurden dabei als vollständig KI-generiert eingestuft.
LinkedIn stellte ungefähr ein Drittel der untersuchten Inhalte, war jedoch für 62 Prozent aller erkannten KI-Inhalte verantwortlich. Damit hatte LinkedIn in dieser Untersuchung den höchsten KI-Anteil aller betrachteten Plattformen.
Eine weitere Untersuchung von Originality.ai kommt auf einen noch höheren Wert. Von 5.000 öffentlichen LinkedIn-Beiträgen aus dem Juli 2026 wurden 81,2 Prozent als „Likely AI“ eingestuft.
Die Studie betrachtete Beiträge mit mindestens 100 Wörtern aus neun Themengebieten. Sie bildet also weder den kompletten LinkedIn-Feed noch sämtliche Inhalte auf der Plattform ab.
Zur Untersuchung von Originality.ai
Die Zahlen sind kein Beweis dafür, dass vier von fünf LinkedIn-Beiträgen KI-Müll sind. Sie zeigen allerdings ziemlich deutlich, wie stark KI-generierte Texte den Feed inzwischen prägen.
So kannst du auf LinkedIn KI Slop melden
Die neue Funktion findest du direkt am jeweiligen Beitrag:
- Klicke oben rechts auf die drei Punkte.
- Wähle "Als KI-Slop melden" oder "Seems like AI slop" (das variiert aktuell noch).
- LinkedIn blendet den Beitrag aus deinem Feed aus.
- Deine Rückmeldung fließt als Signal in die Erkennungssysteme von LinkedIn ein.
LinkedIn entwickelt parallel neue Klassifikationssysteme. Sie sollen KI-Slop und andere minderwertige Inhalte erkennen und deren Verbreitung in Empfehlungen reduzieren.
Außerdem testet LinkedIn Hinweise im persönlichen Dashboard. Verfasser könnten dort erfahren, wenn ihre Beiträge auf andere Menschen unauthentisch oder stark KI-geprägt wirken.
Das könnte der ehrlichste Content-Workshop werden, den manche Profile je bekommen haben.
Was für die neue Meldung spricht
Die Idee ist grundsätzlich gut. Menschen merken meist ziemlich schnell, wenn ein Beitrag zwar professionell klingt, aber nichts Eigenes enthält.
Der Button gibt LinkedIn ein zusätzliches Qualitätssignal aus dem echten Feed. Wiederkehrende Meldungen können dabei helfen, generische Inhalte seltener zu empfehlen.
Auch für Unternehmen ist das ein sinnvoller Hinweis. Sichtbarkeit entsteht durch Wiedererkennung, Relevanz und Vertrauen. Austauschbare Texte liefern regelmäßig Content. Ein erkennbares Profil bauen sie kaum auf.
Was gegen „Seems like AI slop“ spricht
Die Einschätzung bleibt subjektiv.
Ein sauber formulierter Fachbeitrag kann genauso gemeldet werden wie lieblos zusammenkopierter KI-Content. Auch unbequeme Meinungen, Beiträge von Wettbewerbern oder ein ungeliebter Schreibstil könnten entsprechende Reaktionen auslösen.
Hinzu kommt: Viele Menschen nutzen KI zur sprachlichen Unterstützung. Sie lassen Texte korrigieren, kürzen oder übersetzen. Gerade Menschen, die in einer Fremdsprache schreiben, profitieren davon.
Eine Meldung beweist daher erst einmal gar nichts.
Entscheidend wird sein, wie LinkedIn diese Rückmeldungen bewertet und Missbrauch verhindert. Ein einzelner Klick darf kein Qualitätsurteil fällen. Wiederkehrende Muster können ein brauchbares Signal liefern.
Darf ich KI für LinkedIn-Beiträge weiterhin nutzen?
Natürlich.
KI kann dir bei der Recherche, Struktur, Rechtschreibung oder Überarbeitung helfen. LinkedIn selbst unterscheidet ebenfalls zwischen dem Einsatz von KI und minderwertigem KI-Slop.
Kritisch wird es, wenn die KI auch deine Meinung, Erfahrung und Perspektive übernehmen soll.
KI darf beim Schreiben helfen. Deine Haltung solltest du weiterhin selbst mitbringen.
Wer einen Prompt eingibt, das Ergebnis kopiert und direkt veröffentlicht, spart Zeit. Häufig verschwindet dabei genau das, was den Beitrag lesenswert gemacht hätte.
Konkrete Erfahrungen, eigene Beobachtungen und echte Beispiele lassen sich kaum durch eine hübsch formulierte Textschablone ersetzen.
Was jetzt für deine LinkedIn-Inhalte zählt
Der neue Button wird den KI-Slop auf LinkedIn kaum über Nacht beseitigen. Er sendet trotzdem ein klares Signal: Generischer Content soll seltener im Feed auftauchen.
Wer KI als Schreibpartner nutzt und eigene Gedanken, Erfahrungen und Beispiele einbringt, muss sich wenig Sorgen machen.
Wer seine komplette Persönlichkeit an ChatGPT ausgelagert hat, sollte vielleicht schon mal ins Dashboard schauen.