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Nachdem ich im ersten Teil schon die Basics für Lissabon abgedeckt und erklärt habe, wie das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Lissabon funktioniert, widme ich mich in Teil 2 von 3 den Sehenswürdigkeiten der Stadt. In Teil 3 geht´s dann für einen Tagesausflug nach Sintra.

Tram Nummer 28

Sehenswürdigkeit und Transportmittel in einem sind die historischen Trambahnen. Berühmt ist die Linie 28, weil sie so ziemlich alle Sehenswürdigkeiten abklappert. Mit dem Tagesticket für Lissabon kann man einfach bis zu Endhaltestelle und wieder zurück fahren. Die Fahrzeit pro Richtung liegt bei etwa 35 Minuten und nicht vergessen: An der Endhaltestelle aussteigen. Die Bahn fährt dann nochmal fünf Meter weiter und der Fahrer macht ein paar Minuten Pause, bevor man dann wieder einsteigen kann.

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Sehenswürdigkeiten

Ich fand den leicht morbiden Charakter der Häuser extrem interessant. Teils verfallene Häuser, die in Deutschland weiträumig abgesperrt wären, sind hier auch weiterhin bewohnt. Eindeutiges Zeichen sind die allgegenwärtigen Wäscheleinen, an denen frisch Gewaschenes zum Trockenen hängt.

Dank dieser Besonderheit habe ich Lissabon auch den Beinamen “Stadt mit den meistfotografierten Unterhosen” verpasst. Neben den frisch gewaschenen Unterhosen gibt es aber natürlich noch viel mehr zu sehen. Hier eine kleine Auswahl:

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Catedral Sé Patriarcal

Die Kathedrale ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten und mit Baujahr 1147 die älteste Kirche Lissabons – Ok, sie ist ein paar Mal zerstört und wieder aufgebaut wurden. Von außen bereits imposant, ist es innen ebenso beeindruckend. Den Innenraum überragt ein riesiges Rosettenfenster und viele schön bunt verzierte Seitenfenster. Direkt dahinter findet man einen schönen Kreuzgang, in dessen Mitte ein paar archäologische Ausgrabungen erkunden kann. In einer Ecke des Kreuzgangs hat man einen wunderschönen Blick in Richtung Tejo.

Im zweiten Stock befindet sich die Schatzkammer, in der man sich zum Beispiel in einem extrem verschwenderischen Empfangsaal ein bisschen wie eine Hoheit fühlen kann.

Catedral Sé Patriarcal – Largo de Se
Öffnungszeiten:
Kirche täglich von 09 bis 19 Uhr
Kreuzgang und Kapellen: Mo bis Sa 10 bis 18 Uhr, So 14 bis 18 Uhr,
Schatzkammer: Mo bis Sa 10 bis 17 Uhr
Eintritt 2,50 Euro

Castelo de São Jorge

Direkt über der Stadt trohnt die Burg des Heiligen Georg. Und von hier oben bietet sich einer der beeindruckendsten Blicke über Lissabon, den man sich aber erst mit einem steilen Aufstieg verdienen muss. Hier oben gibt es richtig viel zu entdecken und von den Mauern und Zinnen bietet sich hinter jeder Ecke ein schönes Fotomotiv. Auch interessant sind die freilaufenden Pfaue, die einem überall auf dem Gelände begegnen.

Öffnungszeiten:
November bis Februar täglich 9-18 Uhr
März bis Oktober täglich 9-21 Uhr
Eintritt: 5 Euro

Praça do Rossio

Der zentrale Platz Rossio ist durch die Traditioncafés Suiça und Nicola bekannt und vor allem durch das Wellenmosaik auf dem Boden. So in etwa kann man sich bestimmt einen LSD-Trip vorstellen. Jeder Besucher wird bestimmt einmal diesen Platz überqueren, denn nicht weit vom Platz befindet sich auch der Bahnhof Rossio.

Praça do Comércio

Die Rua Augusta verbindet die beiden Prachtplätze Praça do Rossio und Praça do Comércio. Wie so ziemlich alles in Lissabon wurde auch dieser Platz im Jahr 1755 neu aufgebaut.Während meiner Zeit in Lissabon war ich gefühlt fünf mal am Tag hier. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie bin ich immer hier vorbeigekommen. Nachdem man ihn durch den großen Triumphbogen betreten hat, öffnet sich der Platz und gibt einen Blick direkt auf den Tejo frei. In der Mitte steht ein imposantes Reiterstandbild, während an den drei bebauten Seiten schöne Arcadengänge den Platz verzieren. Hier ist eigentlich immer was los und ist ideal, um einfach mal auszuruhen und die Passanten zu beobachten.

Das nationale Fliesenmuseum “Museu Nacional do Azulejo”

Die Azulejos sind allgegenwärtig in Lissabon. Warum also nicht einfach mal alles gebündelt an einem Ort im nationalen Fliesenmuseum kennenlernen. Klingt recht trocken … und ist es nach einiger Zeit dann auch 😉 Aber auf jeden Fall sehr interessant, mal zu sehen, wo die Fliesen herkommen (wurde oft an die Fliesen in Marrakesch erinnert)  und wie sie sich im Laufe der Jahren entwickelt haben.

Wunderschön und gut versteckt sind hier aber auf jeden Fall zwei Dinge:

  • Die 35 Meter breite und weltbekannte Azulejos-Paneele mit 1.300 Fliesen, die Lissabon vor dem großen Erdbeben 1755 zeigt
  • Die Klosterkirche, die wirklich sehr gut versteckt ist

Museu Nacional do Azulejo (National Tile Museum)
Rua da Madre de Deus, 4, 1900-312 Lisboa

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr.
Letzter Einlass: 17:30 Uhr
Geschlossen: Montags, Ostersonntag, Neujahr, 1. Mai und Heiligabend
Eintritt:5 €

Das Museum liegt nicht im Zentrum, deshalb am Besten mit dem Bus anreisen (ca. 10 – 15 Minuten ab Zentrum). Die Haltestelle “Igreja Madre Deus” der Linien 210, 718, 742, 794 befindet sich direkt vor dem Eingang des Museums.

Weitere Informationen unter www.museudoazulejo.pt.

Mosteiro dos Jerónimos

In Belém (und damit weit außerhalb der Innenstadt) liegt der Stadtteil Belém. Mit der modernen Niederflur-Tram oder dem Bus ist man in etwa 30 Minuten dort und dann erkennt man sofort, warum hier trotz der Entfernung zum Zentrum soviel Touristen zu finden sind.

Das Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymitenkloster) mit 300 Meter Länge und der detailreich verzierten Fassade zieht sofort alle Blicke auf sich. Im Kloster kann man durch schöne Bodengänge schreiten, die rund um den großen Innenhof angeordnet sind.

In der Klosterkirche liegen neben den Gebeinen verschiedener gekrönter Häupter auch die des berühmten Seefahrers Vasco da Gama in einem schönen Sarkophag gleich links vom Haupteingang.

Anfahrt mit der Tram 15 oder den Bussen der Linie 727, 28, 729, 714 und 751
Haltestelle: Belém-Jerónimos

Öffnungszeiten
Oktober bis Mai
10 bis 17:30 Uhr (Letzter Einlass um 17 Uhr)  

Mai bis September
10 bis 18:30 Uhr (Letzter Einlass um 18 Uhr)

Geschlossen
Montags, 1. Januar, Ostersonntag, 1. Mai und 25.12.

Weitere Informationen unter www.mosteirojeronimos.pt

Pasteis de Belém

Direkt neben dem Kloster gibt es eine der leckersten Sehenswürdigkeiten: Die guten Pasteis de Belém, die ich ja bereits im ersten Teil ausreichend beschrieben habe. Direkt an der Haltestelle gelegen, bietet es sich an, hier noch einen kleinen Zwischenstopp für eine Wegzehrung einzulegen. Als ich Ende Januar dort war, hielt sich die Wartezeit in Grenzen. Ich habe aber auch Bilder gesehen, auf denen die Schlange gut und gerne 30 Meter lang war. Lecker sind sie aber trotzdem.

Anfahrt mit der Tram 15 oder den Bussen der Linie 727, 28, 729, 714 und 751
Haltestelle: Belém-Jerónimos

Außerdem sehenswert in Belém sind der “Torre de Belém” und das Seefahrerdenkmal. Beide Denkmäler kann man auch von innen besichtigen oder ihnen direkt aufs Dach steigen. Besonderheit des Torre de Belém ist, dass hier die Vorlage für Albrecht Dürers berühmtes Gemälde “Rhinoceros” finden ist. Die Skulptur in der Wand zeigt das Abbild eines Nashorns, das die Seefahrer von einer Reise nach Indien mitbrachten. Dummerweise sank das Schiff kurz vor Lissabon, aber der Körper des toten Nashorns wurde präpariert und ausgestellt. So fand das erste Nashorn seinen Weg nach Europa und hielt später dank Dürers Bild Einzug in die Kunstgeschichte.

Der Seefahrerturm (“Padrao dos Descobrimentos”) ist eine Hommage an die Geschichte Portugals und die vielen Kapitäne, Admirale, Gelehrte, Kartographen, Entdecker und Haudegen. An der Spitze aller hier dargestellten Persönlichkeiten steht Heinrich der Entdecker. Gefolgt von anderen Seefahrern wie Vasco da Gama und Pedro Álvares Cabral. Recht interessant ist der Turm, weil man mit einem Aufzug für knapp 3 Euro auf die Spitze fahren kann. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick über den Tejo, Mosteiro dos Jerónimos, Torre de Belém und den Platz mit der überdimensionalen Weltkarte in der Windrose direkt vor dem Turm.

Kleiner Tipp noch für den Ausflug nach Belém: Am Besten gleich direkt bis zum Torre de Belém fahren und von dort Richtung Seefahrerturm und Mosteiro dos Jerónimos gehen. Dann muss man die Strecke nicht doppelt laufen.

Alle Artikel meiner dreiteiligen Serie über Lissabon
Teil 3: Tagesausflug von Lissabon nach Sintra und ein Abstieg in die Hölle
Teil 2:  Lissabons Top-Sehenswürdigkeiten in 100 inspirierenden Bildern
Teil 1: Lissabon im Januar Teil 1: Ankommen, Unterkommen und Essen