kalaschnikow-in-laosAus irgendeinem Grund saß im Bus von Vang Vieng nach Phonsavan (“Ebene der Tonkrüge”) jemand mit einer Kalaschnikow neben mir. Ich hatte vorher schon gelesen, dass es auf der Strecke anscheinend zu Überfällen kam, bei denen auch ausländische Touristen verletzt wurden. Auf jeden Fall saß jetzt dieser junge Mann mit Sturmgewehr neben mir.

Der erste Teil der Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, doch irgendwann wurde die Besatzung unruhig. Leider habe ich nicht mitbekommen, was genau vor sich ging, aber der Bus fuhr auf einmal langsamer, Busfahrer und der Busbegleiter tauschten eifrig besorgte Blicke aus und der der Mann mit der Kalaschnikow bekam Handzeichen quer durch den Bus.

Das Ganze war eine sehr surreale Situation. Denn einerseits ist es ja gut, dass jemand an Bord ist, der den Bus im absoluten Notfall mit allen Mitteln verteidigen könnte. Aber weiter gedacht, wird auch der Mann mit der Kalaschnikow der Erste sein, auf den potentielle Angreifern schießen würden. Und wer sitzt direkt daneben und würde auf jeden Fall was abbekommen? Richtig! Ich!

Nach diesem kurzen Moment der Anspannung beruhigte sich die Lage und mein Sitznachbar entspannte sich. Er stellte seine Waffe vor sich auf den Boden und klemmte sie im Vordersitz fest. Und dann machte er die Augen zu und döste. Es schien also tatsächlich keine Gefahr mehr von der Strecke auszugehen und auch ich versuchte zu entspannen – bis es auf einmal krachte und ich einen Schmerz im Fuß spürte.

Was für ein Schock, denn ich hatte auch kurz gedöst und wusste nicht so recht, was passiert war. Aber da bückte sich der Mann mit der Kalaschnikow schon und hob die Waffe vom Boden auf. Sie war ihm dummerweise im Schlaf entglitten und direkt auf meinen Fuß gefallen. Ein kurzes “Sorry” brachte er noch über die Lippen, dann verstaute er die Waffe wieder und döste weiter.

Bei der nächsten Pause vertrat er sich dann mit dem Busbegleiter die Beine und versteckte seine Kalaschnikow mehr schlecht als recht unter seiner Jacke. Wahrscheinlich hat er das getan, um die anderen Gäste nicht einzuschüchtern. Mich hat er aber auf jeden Fall ganz schön erschreckt und ich weiß jetzt auch endlich, wie es sich anfühlt, wenn einem ein russisches Sturmgewehr auf den Fuß fällt.

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