In Sulawesi durfte ich einer blutigen Zeremonie beiwohnen. Obwohl die Gegend um Tana Toraja für die Begräbniszeremonien berühmt ist, sind wir hier laut unserem Guide in eine kleine Einweihungsfeier gestolpert. Mit uns war noch ein anderes europäisches Pärchen, 20 Schweine und eine Kuh dabei. Nur wir und das andere Pärchen haben die Party auch wieder lebend verlassen.

Ok, die anderen Gäste natürlich auch. Aber so ein bisschen Dramatik darf ja auch mal sein.

Nachdem wir von Makkassar im Süden Sulawesis in etwa 10 Stunden nach Rantepao gefahren sind, verschiedene Schlepper abgehängt hatten und dann endlich im “Pias Poppies” untergekommen sind, haben wir uns gleich einen Guide für den Folgetag besorgt. Denn wir wollten die Gegend sehen und da gerade Saison war, auch eine der Feier besuchen.

Wir wollten einen Guide, der gut Englisch spricht. Einen, den man auch versteht und dem man auch Fragen stellen kann. So ein Guide kostet nämlich schon ein bisschen was und als Langzeitreisender dreht man jeden Cent fünfmal um, bevor man ihn ausgibt.

Um´s kurz zu machen: Er konnte kein Englisch und hat irgendwas erzählt. Deswegen bin ich mir bis heute nicht sicher, was das für eine Feier war, auf der wir waren.

Auf jeden Fall erkauften wir uns den Zutritt mit den obligatorischen zwei Stangen Zigaretten und ein bisschen Schnaps für die Gastgeber. Und schon ging der Spaß los.

Mehr als zwanzig kunstvoll verzierte und auch verschnürte Schweine wurden unter lautem Johlen der Gäste durch das Dorf getragen und der lokale Männerchor gab sein Bestes.

Und dann wurde eine Kuh auf der Wiese festgebunden, um ihr kurz danach einfach die Kehle durchzuschneiden. Das schien der Startschuß gewesen zu sein, denn auf einmal wurde allen Schweinen durch ihren Käfig ins Herz gestochen, so dass sie qualvoll verbluteten.

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Ich bin mir sicher, jeder Tierschützer hätte spätestens jetzt das Fest verlassen oder sich schützend zwischen Klinge und Schwein geworfen.

Aber wir blieben.

Und so konnten wir erleben, wie die Schweine immer schwächer wurden. Der Dorfplatz wurde immer blutiger. Ein Schwein sammelte noch mal alle Reserven, fiel mitsamt dem Käfig um, der dann auch zerbrach. Das Schwein war frei – und kurz danach auch schon tot. Es hatte einfach schon zuviel Blut verloren.

Jetzt kam die Stunde der Männer. Kunstvoll öffneten sie den Bauch, entnahmen die Innereien und sammelten das Blut in einem Bambus-Ast.

Die Schweine mussten noch kurz mit dem kleinen Flammenwerfer für den Hausgebrauch von den Borsten befreit werden, bevor jeder Gast ein Doggie-Bag für zu Hause bekam.

Wir mussten ja leider mit dem Bus weiter und verzichteten auf das Geschenk, sagten aber nicht Nein zu der Essenseinladung. Mit direktem Blick auf die Reste des Blutbads gab´s Schwein vom Grill. Was auch sonst.

Frisch gestärkt ging´s dann mit unserem unverständlichen Guide weiter zu den Baumgräbern, Höhlengräbern und traditionellen Dörfern Tana Torajas. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die ich Euch ein ander Mal auch noch erzählen werde.


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