Sabbatical planen: So bringst Du es Deinem Chef bei

Sabbatical planen: Wie bringe ich es meinem Chef bei?

Wenn Du ein Sabbatjahr machen möchtest, dann lies vorher unbedingt diesen Artikel. In einem kurzen Interview erfährst du, wie wir alles gemacht haben.

1. Warum kam es zum Sabbatical? Was war der Grund, warum Ihr Euch diese Auszeit genommen hast?

Thomas: Wir beide haben von September 2008 bis August 2009 ein Sabbatical genommen. Auslöser dafür war, dass wir beide liebend gerne reisen und wir wollten endlich genug Zeit haben, um in Ruhe die Welt zu erkunden. 2008 haben wir beide auch schon knapp 10 Jahre gearbeitet und wir wollten uns mit Ende 20 einfach mal eine vorübergehende Auszeit gönnen.

Zudem keimte seit 2004 schon der Gedanke, länger weg zu fahren. Damals haben wir unsere erste große Reise nach Myanmar unternommen. Irgendwie waren uns die drei Wochen aber viel zu kurz. Und es gibt da draussen so viel zu entdecken. Da dachten wir, wieso nicht länger wegfahren.
Denn 30 Tage Urlaub im Jahr sind ehrlich gesagt viel zu wenig.

2. Wie lange wart Ihr unterwegs? Und welche Route habt Ihr gewählt?

Thomas: Wir waren 330 Tage unterwegs. Unsere Route führte uns erst nach Japan, dann über Australien nach Neuseeland und in die Südsee. Von dort ging es dann wieder zurück nach Westen und für weitere sechs Monate nach Südostasien. 

Im Detail waren das die Länder, die wir bereist haben:

  • Japan
  • Australien
  • Neuseeland
  • Cook Islands
  • Hong Kong
  • Thailand
  • Laos
  • Vietnam
  • Kambodscha
  • Malaysia
  • Indonesien
  • Singapur
  • Macau
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3. Wie bist Du mit dem Thema an Deinen Arbeitgeber herangetreten? Und wie hat er reagiert?

Thomas: Ich bin etwa 12 Monate vor der Auszeit an meinen Arbeitgeber herangetreten. Zu der Zeit war ich schon vier Jahre bei meinem Arbeitgeber beschäftigt und war wirklich sehr aufgeregt. Im Vorfeld habe ich sehr viel recherchiert, wie man seinen Arbeitgeber am Besten von einem Sabbatical überzeugt. 

Weil ich damals eine leitende Position hatte, habe ich natürlich vorher überlegt, wer aus dem Team welche Aufgaben übernehmen könnte. Mit diesen Vorschlägen und anderen Ideen habe ich mich dann mit meinen Chefs zusammengesetzt.

Natürlich war mein Arbeitgeber zuerst skeptisch und er wollte das alles natürlich vertraglich regeln. So haben wir also einen Auszeitvertrag geschlossen. Der Vertrag besagte unter anderem, dass ich für 1 Jahr unentgeltlich von der Arbeit freigestellt werde und danach wieder in die alte Position zurückkehre. 

Beide Seiten haben sich die Option einer Kündigung freigelassen. Und so wurde definiert, dass ich spätestens 8 Wochen vor Wiedereintritt definitiv zusagen sollte, ob ich wieder einsteige.

4. Wie habt ihr das Sabbatical organisiert? Wie lange hat die Vorbereitung gedauert? Welche Absprache habt ihr getroffen. Und was galt es zu beachten (bspw. Vertretung etc.)?

Thomas: Ein Sabbatical ist nicht ohne. Ab dem Zeitpunkt an dem ich es dem Arbeitgeber eröffnet habe, dass ich gehen möchte, waren es noch 12 Monate bis zum geplanten Abflug. 

Neben der Planung der Reise kommen sehr viele administrative Themen dazu. Was passiert mit der Wohnung? Wo kann ich Dinge einlagern? Welche Versicherungen kann ich pausieren?

Im Job war es eigentlich eher so wie vor einem großen Urlaub: Themen vorbereiten, Projekte dokumentieren, Ansprechpartner informieren.

Mit der vielen Vorlaufzeit und guter interner Organisation hat die Übergabe bestens geklappt. Manche Kollegen fanden meine Entscheidung nicht so gut. Denn die Arbeit wurde erstmal auf die verbleibenden Köpfe neu aufgeteilt. Aber durch den langen Vorlauf konnten sich die Wogen glätten und alle Aufgaben in Ruhe übergeben werden.

5. Wie hat dein Arbeitgeber darauf reagiert als du sagtest, dass du nicht ins Unternehmen zurückkommen wirst?

Thomas: Pünktlich zum Beginn unseres Sabbaticals startete die weltweite Wirtschaftskrise. Ab September 2008 hatten die ersten Unternehmen hart mit der Situation zu kämpfen. Als es dann im Sommer 2009 bei mir darum ging, ob ich wieder zurückkommen würde, hatte die Wirtschaftskrise auch meinen damaligen Arbeitgeber getroffen und es wurde in Kurzarbeit gearbeitet.

Mein Chef hat sich natürlich schon gewünscht, dass ich zurückkomme. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation war es aber schon OK, dass ich weit vor den vereinbarten 8 Wochen Kündigungsfrist meine Kündigung aus Thailand geschickt habe.

Ich war entschlossen, etwas Neues zu finden, wenn wir irgendwann wieder zurückkehren sollten. 

Noch von unterwegs aus habe ich mich nach anderen Stellen umgeschaut und Bewerbungen verschickt. Bereits in der ersten Woche nach meiner Rückkehr hatte ich mehrere Gespräche und in der dritten Woche habe ich meinen neuen Job bei einem neuen Arbeitgeber angetreten.

6. Was hat dir die berufliche Auszeit persönlich gebracht? Ist es die richtige Entscheidung gewesen?

Thomas: Es war bisher die beste Entscheidung, die ich meinem Berufsleben treffen konnte. Diese Zeit kann mir niemand mehr nehmen.

Die Organisation und die Durchführung des Sabbaticals haben mich extrem geprägt. Damals war mir nicht bewusst, welche Auswirkungen so eine Auszeit auf mich haben könnte. Inzwischen weiß ich, dass eine Auszeit, die man auf Reisen verbringt, den Charakter extrem prägt.

Es ist eine Reise, die man auch mit sich selbst unternimmt. Sie lehrt einen, sich auf die kleinen Dinge im Leben zu konzentrieren, nicht mehr so verbissen an die Dinge heranzugehen, sich um sich selbst zu sorgen und auf dieses vielbesagte Bauchgefühl hören. Und vor allem, dass wir alle nur dieses Leben haben und das Beste daraus machen sollten.

Durch unsere Reise durften wir viele Menschen kennenlernen. Bis heute bin ich noch mit einigen sehr gut befreundet und ich habe nun Freunde unter anderem in Südkorea, die ich wir auch schon dort besucht habe. Kurz darauf haben sie einen Gegenbesuch in Deutschland abgestattet.

Diese internationalen Freundschaften in verschiedene Kulturkreise erweitern meinen Horizont und beeinflussen mein Denken extrem.

Vor allem aber habe ich gelernt, dass ich mich sehr schnell auf neue Situationen, Umgebungen und Menschen einstellen kann. Ich weiß, dass ich mich an Dinge heranwagen kann, die auf den ersten Blick komplett unmöglich erscheinen. Mit guter Vorbereitung und Ausdauer lässt sich auch ein lebensprägendes Projekt beginnen.

7. Würdest du anderen Menschen ein Sabbatical empfehlen? Unter welchen Umständen?

Thomas: Ein Sabbatical ist prinzipiell eine sehr gute Idee. Aber ein Sabbatical sollte keine Flucht vor Unzufriedenheit im Job sein.

Du solltest Dir bewusst sein, dass du während eines Sabbaticals von deinem Ersparten lebst (ausser Du hast mit deinem Arbeitgeber ein anderes Modell wie z.B. ein Überstundenkonto oder vorherigen Gehaltsverzicht vereinbart).

Wenn Du schon lange unzufrieden in deinem Job bist, ist es vielleicht sinnvoller, den Job zu wechseln. Das bewirkt meist Wunder.

Wenn Du aber aus freien Stücken ein Sabbatical machen willst, dann habe ich diesen Tipp:
Einfach machen. Jederzeit. Zurückkehren kannst Du immer. Und wenn du nicht in deinen aktuellen Job zurückkehren kannst, dann wirst du einen anderen Job finden.

Ich empfehle dir für dein Sabbatical, dass Du Dir selbst feste Termine definierst. Das kann ein Abflugtag sein, Start eines Sprachkurses oder ein anderer fester Termin. Damit kannst du planen und dich auf etwas freuen.

Ausreden gelten dann nicht, Du kannst alles organisieren.
Aber mach Dein Sabbatical auf jeden Fall sobald wie möglich. Schiebe es nicht vor dir her. Irgendwann ist es zu spät und du stehst kurz vor der Rente.

Wenn Du Dein Sabbatical nutzen willst, um zu reisen, solltest du es erst recht machen, wenn du jung bist. Je jünger desto besser. Oder will Du mit 70 noch in einem 8er-Schlafsaal schlafen oder Tage im Bus auf Asiens holprigen Straßen verbringen?

Und ganz ehrlich: Du verpasst hier nichts. Die meisten Menschen leben hier weiter ihren Alltag und für sie vergeht dein Sabbatical wie im Fluge. Du aber wirst so viel erleben.
Als wir ein Jahr lang unterwegs waren, hat sich kaum etwas zu Hause geändert. Außer dass mich nach der Reise meine Nichte nicht mehr erkannte. Sie war gerade mal ein Jahr alt als wir aufgebrochen sind.

8. Würdest du Unternehmen empfehlen, sich dem Thema offen gegenüber zu verhalten? Oder gibt es da Einschränkungen?

Thomas: Ich denke, dass es heutzutage für jeden Mitarbeiter möglich sein sollte, ein berufliche Auszeit zu nehmen. Natürlich kann eine gewisse Firmenzugehörigkeit vorausgesetzt werden und die Dauer gedeckelt werden. Denn wenn eine monatelange Elternzeit möglich ist, sollte doch auch eine befristete berufliche Auszeit über ein Sabbatical machbar sein?

Mitarbeiter müssen ja nicht zwangsläufig durch die Welt reisen. Sabbaticals können unterschiedlich genutzt werden. Es ist zwar immer eine Art Selbstfindung, aber meist kann die Auszeit so gestaltet werden, dass sie auch für den Arbeitgeber von Vorteil ist.

Sprachkurse oder soziales Engagement sind perfekte Tätigkeiten. Auszeiten zwischen 1 und 6 Monaten sind für beide Seiten leicht zu stemmen. Arbeitnehmer entfernen sich mental nicht komplett von ihrem beruflichen Umfeld und Arbeitgeber können die Stelle vorübergehend besetzen oder Aufgaben intern überbrücken.

Mitarbeiter und Arbeitgeber profitieren beide von einem Sabbatical. Langjährige Angestellte lüften quasi einmal ihren Kopf durch und entwickeln neue Perspektiven und Charaktereigenschaften, von denen die Unternehmen profitieren können – wenn sie den Mitarbeitern die entsprechenden Möglichkeiten bieten.

Alles jenseits der 6 Monate wird für Arbeitnehmer aber ehrlich gesagt sehr schwer. Nach so langer Zeit in den angestammten Job zurückzukehren ist nicht einfach. Wie schon beschrieben, verändert man sich sehr und stellt Dinge und Verhaltensmuster in Frage.

Natürlich können sich Arbeitgeber jederzeit absichern, indem sie die Mitarbeiter nach einem Sabbatical vertraglich an sich binden.

Aber mal ehrlich: Jemand, der nach einem Sabbatical zurückkehrt und im alten Job auf einmal unglücklich ist, sollte sich nicht binden müssen. Dann ist es für beide Seiten am Besten den Arbeitnehmer ziehen zu lassen.

Kleiner Disclaimer

Das Interview ist gekürzt erschienen in der Zeitschrift t3n Ausgabe 56 – „Chef, ich muss mal weg!“. Danke Andreas Weck für das Interview.
Sabbatical planen - aber wie bringe ich es meinem Chef bei?

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