5 Schritte nach Nordkorea

Ein Besuch in der DMZ

Eine Reise nach Nordkorea – naja, nicht ganz

nordkorea-dmz-panmunjomNie hätte ich gedacht, dass ich jemals einen Fuß nach Nordkorea setzen würde. Und dann ging es schon fast zu schnell.

Bei unserer Reise nach Südkorea stand am ersten Tag ein Highlight meiner Liste skurriler Orte auf dem Plan: Eine Tour in die Demilitarisierte Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea.

Im Koreakrieg zwischen 1950 und 1953 kämpfte der Norden mit Unterstützung durch China gegen den Süden. Der Süden bekam Unterstützung von den USA.

Fast 1 Million Soldaten und 3 Millionen Zivilisten starben während des Kriegs.

Im Jahr 1953 wurde zwar ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, beide Koreas befinden sich aber bis heute formal im Kriegszustand.

Die DMZ quert die koreanische Halbinsel auf einer Länge von 248 Kilometern von West nach Ost. Sie ist vier Kilometer breit und in der Mitte der DMZ verläuft die Grenze.

Auf einer US-Militärbasis in Seoul ist das Büro des Anbieters USO, der mit dem US-Militär zusammenarbeitet. Dementsprechend hoch war die Dichte der US-Touristen.

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Nordkorea per Bus

Vor der Tour hatten wir eine lange Liste bekommen, worauf penibel zu achten sei. Dazu gehörte unter anderem eine strikte Kleiderordnung. Keine Schlappen, keine kurzen Hosen und das Oberteil musste beim Mann auf jeden Fall einen Kragen haben. Bei Nichtbeachten drohte der Ausschluss von der Tour.

Im Büro von USO dachten wir, dass die meisten die Info anscheinend nicht bekommen hatten. Insgeheim haben wir uns schon gefreut, dass sich die Gruppenstärke durch das Nichtbeachten des Dresscodes extrem minimiert.

Aber Pustekuchen. Zusammen mit den Amis in Shorts, T-Shirt und Schlappen ging es dann im Bus in den Norden Seouls.

Auf zur Grenze nach Nordkorea.

Schon direkt an der Stadtautobahn fingen die Stacheldrahtzäune und Wachtürme an. Ein Blick auf Google Maps bestätigte meine Vermutung, dass das Gebiet auf der anderen Seite der Bucht schon Nordkorea ist.

Deswegen ist hier also schon alles hermetisch abgeriegelt.

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Die DMZ nach Nordkorea

Tour nach Nordkorea: Erster Stopp der Tour ist der Bahnhof Dorasan

Der Bahnhof Dorasan wurde im Jahr 2002 eröffnet und ersetzt einen älteren Bahnhof, der früher an der Bahnstrecke lag. Dorasan Station ist der nördlichste Bahnhof Südkoreas und wird bis heute täglich von vier Zügen von Seoul aus angefahren. Dann ist aber Schluss.

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Bis 2007 fuhren Güterwaggons von hier aus weiter in die Sonderwirtschaftszone Kaesong. Die Züge brachten Einzelteile in den Norden und kamen mit fertigen Produkten zurück.
2008 schloss Nordkorea die Grenze wegen diverser Anschuldigungen.

Und jetzt steht hier ein neuer Bahnhof, der aber nur von Touristen benutzt wird. In der großen Halle geht es gerade aus raus auf die Plattform, links ist der Immigration-Bereich von und nach Nordkorea.

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Gegen eine geringe Gebühr gelangt man auf die Plattform. Am nördlichen Ende wird er von einem Soldaten bewacht, während am Südende ein Geschenk Joachim Gaucks steht. Er brachte bei einem Staatsbesuch ein Stück Berliner Mauer mit, um daran zu erinnern, dass Wiedervereinigung möglich ist.

Wenn sich die beiden Koreas irgendwann mal wiedervereinigen würden, dann könnte man übrigens mit dem Zug von Seoul bis nach London fahren.

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Mittagessen mit Blick auf eine politisch heikle Wirtschaftszone Nordkoreas

Vom Bahnhof aus ging es weiter in Richtung Sonderwirtschaftszone Kaesong.
Du kennst die Bilder wahrscheinlich aus den Nachrichten. Denn Kaesong liegt in Nordkorea, wird aber von südkoreanischen Firmen genutzt, um mit nordkoreanischen Arbeitern Dinge herzustellen.

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Zeitweise haben bis zu 54.000 Nordkoreaner in der Industrieregion für über 120 südkoreanische Firmen gearbeitet.

In der Sonderwirtschaftszone Kaesong wurde zuletzt ein Drittel des nordkoreanischen Brutto-Inlandsprodukts erwirtschaftet.

Nach den letzten Drohungen und Atomtests des Nordens wurde der Firmenpark im Februar 2016 endgültig geschlossen.

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Freier Blick nach Nordkorea vom Dora Observatory

Vom ausreichenden Büffet-Essen gestärkt, fuhren wir weiter in Richtung Dora Observatory. Von der Besucher-Plattform des hochgelegenen Militär-Stützpunkts aus bietet sich ein Blick über die Grenze in den Norden.

Nordkorea Dora Observatory

Wie bei einem Alpenpanorama zeigt ein beschriftetes Schaubild was man im Norden so entdecken kann.

Der Bahnhof ganz links, Propaganda-Village ganz rechts und dazwischen ein riesiger Flaggenmast mit noch riesigerer Flagge und die Kim Il-Sung-Statue.

Ach nee, die Statue ist momentan im Boden versenkt. Bis vor wenigen Tagen lief in der Gegend ein Militärmanöver des Nordens. Aus Sicherheitsgründen wurde die Statue eingefahren.

Direkt am Rand der Plattform stehen viele Ferngläser durch die man für kleines Geld etwas mehr vom Norden sehen kann.

Nordkorea Dora Observatory

Menschen sieht man auf der anderen Seite aber keine. Dafür hört man in ab- und zunehmender Lautstärke Propaganda-Botschaften und Musik aus dem Norden.

Die Soldaten erklären, dass ein LKW unermüdlich auf und ab fährt. Auf seiner Ladefläche seien riesige Lautsprecher untergebracht.

Sie erklären auch, dass viele der Häuser im Propaganda Village nur Kulisse sind. Bei manchen sind Türen und Fenster nur aufgemalt. In anderen Häusern gibt es Fenster, aber keine Stockwerke. Sie sind also leere Hüllen.

Das erkennt man angeblich nachts daran, dass das Licht unter dem Dach am hellsten ist und zum Boden hin verblasst.

Es steht dort auch ein 30-stöckiges Hochhaus. Wegen der Stromknappheit fahren die Aufzüge aber nicht. Wer also ganz hoch will oder muss, muss die Treppen nehmen.

Auch interessant ist ein Detail, das vorher niemandem aufgefallen ist. Auf der nordkoreanischen Seite stehen keine Bäume. Nirgends. Angeblich werden sie von den Menschen dort gefällt und als Brennholz verwendet.

Nordkorea Dora Observatory

Das ist einer der vielen schrägen Moment an diesem Tag.

Da stehe ich nun direkt an der Grenze zu Nordkorea und blicke hinüber. Auf der anderen Seite liegt ein Land, das so isoliert ist und seine Einwohner so schlecht behandelt. Es trennen uns nur wenige hundert Meter von dem Staatsgebiet, aber auf dieser Strecke liegen Welten.

Hier geht es uns gut. Wir haben alles, die Soldaten machen Späße mit den Touristen und alles fühlt sich mehr nach Disneyland an als die Grenze zwischen zwei Ländern, die offiziell noch im Krieg miteinander sind.

sobald der Wind sich dreht, wird mir aber wieder bewusst wo wir sind. Denn dann dröhnt wieder mit enormer Lautstärke die Beschallung des Propaganda-Lasters aus dem Norden zu uns.

Ein verrückter Ort.

Der Infiltrationstunnel aus Nordkorea

Durch Zufall wurden zwischen 1974 und 1990 vier Tunnel entdeckt, die von Nordkorea aus die DMZ unterqueren.

Eher zufällig wurde 1978 dieser Tunnel entdeckt, der von Touristen besucht werden kann.

Nordkorea 3. Infiltrationstunnel

Der Eingang zum Tunnel

Er wirkt zwar sehr klein und eng. Aber laut einer Hochrechnung könnten pro Stunde 30.000 nordkoreanische Soldaten samt Kriegsgeräte in den Süden gelangen.

Bisher wurden vier dieser unterschiedlich langen Tunnel durch Zufall entdeckt. Bis zu 20 weitere werden noch vermutet. Dieser hier ist der dritte entdeckte Tunnel.

Nordkorea 3. Infiltrationstunnel

Der Regierung Nordkoreas ist die Entdeckung der Tunnel natürlich extrem unangenehm. Und so wird einfach behauptet, dass die Tunnel dem Kohleabbau dienen.

Der Glaubwürdigkeit halber wurden die Tunneldecken auch mit Kohlestaub bearbeitet. Geologische Gutachten haben aber gezeigt, dass in der Umgebung weit und breit keine Kohle zu finden ist.

Die Gesamtlänge des Tunnels beträgt 1,6 Kilometer in einer Tiefe von 73 Metern. Touristen können einige hundert Meter davon. Ende der Tour ist an einer Stacheldrahtbarriere. Dahinter wurden Betonwände hochgezogen und eine der drei so entstandenen Kammern mit Wasser geflutet.

So sieht es am Ende des Tunnels aus. Der Nachbau steht vor dem Museum.

So sieht es am Ende des Tunnels aus. Der Nachbau steht vor dem Museum.

Für übergroße Touristen wie mich und meine zwei Meter sind die Tunnel eine Tortur für den Rücken. Die Decke ist über weite Strecken so niedrig, dass ich nur extrem gebückt vorankomme.

Die mir entgegenkommenden Touristen können an diesen Passagen teilweise aufrecht laufen und lachen sie jedes Mal schief, wenn ich ihnen gebückt und nass geschwitzt begegne.

Nach dem Besuch des Tunnels bezweifle ich die Theorie mit den 30.000 Soldaten pro Stunde. Oder Nordkoreaner sind durchschnittlich 1,55 Meter groß. Dann würde das klappen.Vielleicht werden die Soldaten für den Einsatz auch speziell ausgesucht.

Und da ist schon wieder dieses schräge Gefühl

Nach dem schweißtreibenden Aufstieg aus dem Tunnel machte ich mir wieder meine Gedanken zu diesem Ort.

Denn es ist ein sehr schräges Gefühl zu wissen, dass es entlang der Grenze noch mindestens 16 andere Tunnel gibt. Alle Tunnel zielen wahrscheinlich in Richtung Seoul.

Dieser dritte Infiltrationstunnel endet gerade mal 44 Kilometer vor der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Sitzen an den Eingängen der anderen Tunnel jeweils 30.000 Soldaten in Bereitschaft und warten nur auf ein Zeichen? Stürmt dann innerhalb einer Stunde eine Armee von fast 500.000 Soldaten in den Süden? Was hält sie momentan noch davon ab? Was könnte die Eroberung Seouls auslösen?

Vor dem Zugang zum Tunnel wurde noch ein Museum errichtet, das Geschichte der Demilitarisierten Zone (DMZ) veranschaulichen soll. Man erfährt viel über Vorfälle und Angriffe innerhalb der Zone.

Aber auch, dass die DMZ ein enorm artenreiches Gebiet ist. Man findet hier seltene Pflanzen und Tiere. Ist ja auch klar, denn die Natur kann sich hier ungestört entwickeln.

Ich frage mich nur, wie sich das mit der enormen Menge an Minen im Grenzgebiet verträgt.

Mit Militär-Eskorte direkt an die Grenze nach Nordkorea

Und dann ging es zum Höhepunkt der Tour. Unser Abstecher direkt an die Grenze.

Aber ab hier galten enorme Sicherheitsvorkehrungen. Unser Bus stoppte vor einer Kaserne des US-Militärs und ein Soldat mit verspiegelter Sonnenbrille stieg ein.

Er stellte sich kurz vor und stellte erstmal die Regeln klar.

Ab sofort hat er hier die Verantwortung und gibt die Befehle. Erster Befehl: Fotos werden nur gemacht, wenn er es erlaubt. Der gesamte Bereich, den wir jetzt betreten sollten, ist Hochsicherheits-Bereich.

Schon bei der Einfahrt in die Kaserne war zu erkennen, womit man hier rechnet. Auf dem zentralen Übungsplatz trainierten die Soldaten das Werfen von Granaten.

Überall auf dem Gelände standen Panzer und irgendwelche großen Geschütze.

Erster Stopp war ein großer Saal in dem wir eingestimmt wurden. Die Gesichte des DMZ und die blutigen Vorfälle wurden ausführlich erklärt.

Bei einem Vorfall wurden zwei US-Soldaten von nordkoreanischen Soldaten mit Äxten umgebracht wurden. Die beiden wollten einen Baum fällen, der den Blick auf das Grenzgebiet versperrte.

Nach diesem Vorfall wurden die US-Streitkräfte in Südkorea in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt. DEFCON 3 wurde ausgerufen.

Auf diplomatischem Weg konnte das Ganze aber wieder eingefangen werden.

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Modell des Grenzbereichs

Apropos blutige Vorfälle:
Jeder Teilnehmer der Tour musste ein Dokument unterzeichnen, in dem drin steht, dass niemand für irgendwas haftet.

  • Weder für Schäden, Verletzungen oder Tod.
  • Sollte es zu kriegerischen Handlungen kommen, soll man sich nicht zwischen die Fronten stellen.
  • Kontaktaufnahme und auch nur Blickkontakt mit nordkoreanischen Soldaten ist strengstens verboten.
  • Und das wussten wir schon: Fotografieren natürlich nur nach Freigabe durch den Soldaten.

Nach all diesen Instruktionen und dem unterschriebenen Formular hatte ich ab jetzt wirklich ein sehr flaues Gefühl.

Dieses Gefühl verstärkte sich, als wir mit dem Bus die beiden hohen und Stacheldraht bewehrten Zäune passiert hatten. Jetzt waren wir nur noch wenige hundert Meter von der nordkoreanischen Grenze entfernt.

Vor uns ein Militär-Jeep mit zwei Soldaten und hinter uns ein weiterer Bus mit US-Soldaten einer Versorgungseinheit. Die Gruppe genoss anscheinend gerade das Army-Freizeitprogramm.

Auf dem Weg wurden stolz die verschiedenen Observationspunkte innerhalb der DMZ gezeigt.

Innerhalb der DMZ ist es aber nicht mal so martialisch wie ich vorher dachte. Es gibt viele Gemüse- und Reisfelder, die von südkoreanischen Bauern bestellt werden.

Direkt in der DMZ gibt es ein Dorf, in das die Bewohner nach dem Koreakrieg wieder zurückkehren durften. Allerdings nicht ohne strikte Sicherheitsauflagen. So müssen zum Beispiel alle Fenster und Türen nachts immer verschlossen bleiben.

Auf einmal hält der Bus auf einem großen Platz und dann geht es ganz schnell.

Aussteigen und in Zweier-Reihen in das Gebäude. Beide Gruppen stellen sich nebeneinander auf der langen Treppe auf. Von oben geben die beiden begleitenden Soldaten letzte Instruktionen.

Nichts anfassen und keinen Blickkontakt zu den Nordkoreanern.

Und dann: Abmarsch nach Nordkorea

Oberhalb der Treppe stehen mehrere südkoreanische Soldaten mit enormer Körperspannung und geballten Fäusten. Zwischen den Soldaten durch, Treppe runter und unsere Gruppe steht auf einmal in dem mittleren der drei UNO-blauen Häuser.

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Zuerst entsichert unser Soldat seine Waffe im Holster. Es scheint hier wirklich nicht ganz ungefährlich zu sein.

In der Hütte stehen zwei weitere südkoreanische Soldaten. Einer bewacht den Besprechungstisch, der zweite die Tür nach Nordkorea.

Es gibt genaue Anweisungen für alles. Selbst wie die Bilder mit den Soldaten zu machen sind. Es müssen mindestens 30 Zentimeter Abstand gehalten werden (kann an den Bodenfliesen abgemessen werden) und auf keinen Fall soll man sich hinter den Soldaten stellen oder ihn sogar anfassen.

Diese Hütte in der wir uns gerade befinden, steht zur Hälfte in Nord- und Südkorea.
Genau in der Mitte steht ein Besprechungstisch, an dem sich die Teilnehmer der beiden Koreas zu Verhandlungen treffen.

Pro Seite stehen eigene Übersetzerkabinen zu Verfügung.

Um es kurz zu machen: Hier drin traut niemand dem anderen. Deswegen wird alles Kamera- und videoüberwacht.

Selbst hier in der Hütte gibt es strikte Fotoanweisungen. Bilder dürfen gerne gemacht werden, aber nur in Richtung Norden. Der Blick nach Süden ist tabu.

Aus den Fenstern sieht man dann die Grenze. Ein niedriger Betonsockel zeigt, wo genau die Grenze verläuft.

Hier gibt es keine Schlägbäume oder Stacheldraht. Nur am Bodenbelag erkennt man, wo man gerade ist.

In Südkorea liegt grober Kies. In Nordkorea feiner Kies. Mehr nicht.

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Und jetzt mache ich meine fünf Schritte nach Nordkorea.

Verrückt.

Auf einmal bin ich irgendwie in Nordkorea. Aber auch nicht. Denn ich bin ja in dieser Hütte. Aber doch in Nordkorea. Ein kurzes Foto mit dem Soldaten und schon ruft der US-Soldat zur Eile. Noch eine Minute, dann müssen wir raus. Die andere Gruppe wartet.

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So überstürzt wie wie in der Hütte drin waren, geht´s dann auch wieder raus. Oberhalb der drei Hütten stellen wir uns in einer langen Reihe auf, genießen den Ausblick und lauschen den Ausführungen unseres Soldaten.

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“Ob er es denn nicht merkwürdig findet, dass Touristen an diesen Orten kommen? Die Grenze zwischen zwei Ländern, die noch im Krieg sind und seit Jahren nur im Waffenstillstand sind. Einer der wohl gefährlichsten Orte der Welt.”, wird der Soldat von einem Teilnehmer gefragt.

“Ja, er versteht es nicht. Er könnte sich ein seiner Freizeit schönere Orte vorstellen als diesen hier.”

Von unserem Aussichtspunkt können wir auch einen nordkoreanischen Soldaten sehen. Bob, wie sie ihn hier getauft haben, steht täglich zwölf Stunden an seiner Position.

Irgendwann gesellt sich auf dem Dach des Gebäudes ein weitere Soldat dazu.

Sobald die zweite Truppe aus der Hütte raus ist, ist unsere Zeit hier vorbei.

Zurück in den Bus und entlang der Grenze weiter zu einem Aussichtspunkt von dem aus wir nochmal Propaganda Village mit der riesigen Flagge sehen.

Der Flaggenmast ist mit einer Höhe von 160 Metern der dritthöchste der Welt. Die Flagge wiegt 260 Kilogramm.

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Außerdem sehen wir von oben den Ort an dem die beiden US-Soldaten getötet wurden.

Bridge of no return – Die Brücke ohne Wiederkehr

Und auch die “Brücke ohne Wiederkehr” sehen wir das erste Mal. Sie überquert die Grenze zwischen den beiden Koreas.

An dieser Brücke kam es nach dem Koreakrieg im Jahr 1953 zum Austausch Kriegsgefangener.

Den Namen “Brücke ohne Wiederkehr” bekam sie, weil die Gefangenen vor die Wahl gestellt wurden. Sie konnten entweder in dem Korea bleiben, das sie gefangen genommen hat oder sie kehren in “ihr” Korea zurück. Sobald sie die Brücke aber einmal überquert hatten, durften sie nie wieder in das andere Korea zurück.

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Auf der Rückfahrt durch die DMZ deutete der US-Soldat auf einen weißen Pfahl mit einer Box daran. In regelmäßigen Abständen stehen in der DMZ solche Pfähle und in den Boxen sind Telefone. Sollte also ein Nordkoreaner es irgendwie auf die südliche Seite der Grenze schaffen, könnte er anrufen und würde dann abgeholt werden.

Bis heute hat aber noch keiner angerufen.

Und dann war die Tour durch die DMZ schon wieder vorbei. Und wie in Disneyland hieß es “Exit through the gift shop”. Im Souvenirladen gibt es allerhand Militaria und verrückte Mitbringsel. Sogar einen 10 Kilo Sack Reis, der in der DMZ geerntet wurde.

Unser Bus brachte und dann durch den Feierabendverkehr Seouls wieder zurück. Weit weg von diesem verrückten Ort.

Aber meine Gedanken kreisten um das Erlebte.

Wo kommen die 500.000 nordkoreanischen Soldaten aus der Erde, wenn sie Seoul angreifen? Was hat Kim Jong-Un eigentlich vor? Warum öffnet er sein Land nicht? Nur wenige Kilometer trennen Wohlstand und absolute Armut. Zwei Länder, die eigentlich eins sind. Warum kann es hier keine Wiedervereinigung geben wie in Deutschland?

Und warum werde ich das Gefühl nicht los, dass ich in Disneyland war und nicht an einem der wohl gefährlichsten Orte der Welt?